In diesen Wochen machen sich viele Bräute auf die Suche nach ihrem Brautkleid. Das Kleid mit dem Wow-Effekt von dem sie immer geträumt haben.
Ich möchte euch gerne von meiner Suche, den Gefühlen, den Gedanken und auch von meinen Zweifeln erzählen. Damit möchte ich keiner Braut Panik machen, ganz im Gegenteil – ich möchte euch zeigen, dass es für JEDE Braut auch das richtige Kleid gibt, trotz mancher Hürden.

Bei der Brautkleidsuche kommen in der Realität ein paar Aspekte hinzu, die beim Träumen natürlich nie eine
Rolle gespielt haben. Die Mode, die Figur, das Budget, die Meinungen anderer, die Umstände und die Gefühle.
Es gibt unzählige schöne Kleider, aber nur in einem wird man sagen: „Ja, ich will“. Das ist ein bisschen wie
die Suche nach dem richtigen Partner, da hat man auch gewisse Vorstellungen und am Ende entscheidet nur das Herz.

Vor etwas über einem Jahr begann meine Suche nach dem perfektem Kleid.

Wann soll ich mit der Suche beginnen?

Am Besten beginnt man mit der Suche 6-8 Monate vor der Hochzeit. Aufgrund der langen Lieferzeiten der Kleider, sollte man sich frühzeitig auf die Suche begeben.

Wie finde ich den richtigen Brautmodeladen?

Als Kind kam ich häufig an einem Brautladen in der Freiburger Altstadt vorbei und blieb immer am Schaufenster stehen. Ich träumte davon, später wenn ich mal „groß“ bin, mein Kleid in diesem kleinen romantischen Laden zu kaufen. Als es dann wirklich soweit war, wollte ich mich im Internet erkundigen wie so der Ablauf ist. Dabei stieß ich auf Rezessionen die kein gutes Haar an „meinem“ Traumgeschäft ließen. Ich hatte also die Wahl meine erste Brautkleidanprobe in einem Geschäft zu haben wo ich beim Lesen der zahlreichen negativen Kommentare Bauchschmerzen bekam aber dafür meinen Kindheitswunsch zu verwirklichen oder mein Glück woanders zu probieren. Ich entschied mich für letzteres.

Fazit: „Manchmal muss man Entscheidungen treffen die nicht den träumerischen Vorstellungen entsprechen.“

Wer begleitet mich?

Natürlich wollte ich an diesem Tag gerne meine Liebsten dabei haben. Leider war es nicht möglich meine Mutter, meine Schwester und meine Trauzeugin mitzunehmen. Da ich in Hamburg wohne, meine Trauzeugin frisch gebackene Mutter war und meine Familie in Freiburg lebt, habe ich beschlossen es aufzuteilen. Mir war es besonders wichtig, dass meine Mutter beim ersten Termin dabei ist.

Tipp: Wähle Personen aus, die dir trotz des eigenen Geschmacks nichts aufzwängen. Genauso wichtig ist es, dass deine Begleiter „entscheidungssicher“ sind und ehrliche Kritik äußern. Begleiter die alles toll finden oder dir nicht sagen können, wenn sie etwas nicht so gut finden, verunsichern dich mehr als dir zu helfen.

Wie viel Budget sollte ich einplanen?

Die Frage wie viel man für ein Kleid – das man nur einmal tragen wird – bereit ist zu zahlen bzw. was im Bereich des möglichen ist ohne sich zu verschulden ist selbstverständlich jeder Braut selbst überlassen.
Natürlich kann man mit 500€ kein maßgeschneidertes Designerkleid erwarten, für ein hochwertiges Kleid mit einigen Akzenten sollte man als Richtwert ab 1000€ rechnen. Vergesst dabei aber nicht, dass für Änderungen (z.B. kürzen, enger machen, Applikationen, Ärmel usw.) noch Kosten für den Schneider dazu kommen können und das Accessoires ebenfalls ihren Preis haben. Schleier, Reifrock, Schuhe, Haaraccessoires, Bolero, Handschuhe, Schmuck und passende Unterwäsche sind einige der Dinge die dazukommen können. Dieser Posten wird oft unterschätzt. Wenn ihr also bis zu 2000€ für alles ausgeben könnt, dann setzt das Budget fürs Kleid erst mal bei 1500€ an. Wenn das richtige Kleid noch nicht dabei war, kann man immer noch das Budget erhöhen. Keine Verkäuferin bringt euch aber ein 1000€ Kleid wenn ihr sagt, dass ihr bereit seid bis 2000€ zu zahlen 😉

Tipp: Ziehe niemals ein Kleid an, welches unbezahlbar ist. Ihr werdet es sonst immer vergleichen und euch somit höchstwahrscheinlich unglücklich machen.

Darf man bzw. sollte man Fotos machen?

Nicht jedes Brautmodengeschäft erlaubt es Fotos zu machen, aus Angst, dass man diese als Vorlage nimmt um sich ein Kleid günstig woanders nachschneidern zu lassen. Ich empfehle immer höflich zu fragen, ob es gestattet ist. Mir haben die Fotos sehr geholfen um mir die Bestätigung von Personen die nicht bei der Auswahl dabei sein konnten, zu holen. Ebenfalls war es hilfreich dem Stylisten ein Foto zeigen zu können, um z.B. die passende Frisur dazu auszuwählen. Falls ein Laden es nicht gestattet, dann bitte darum, dass du nur von deinem angezahlten Kleid ein Bild machen darfst.

Céleste in Bahlingen/Freiburg

Wie viele Bräute, wollte ich nur mal schauen und ein Gefühl bekommen in welche Richtung es gehen soll. Dazu vereinbarte ich einen Termin für den 29.Dezember bei Céleste in Bahlingen. Meine Nichte wurde an diesem Tag 16 Jahre alt und wünschte sich so sehr, mitkommen zu dürfen. Diesen Wunsch konnte ich ihr natürlich nicht verwehren. Da waren wir nun – im Céleste – einem kleinen netten Laden. Meine Beraterin erklärte mir, dass wir gemeinsam maximal 10 Kleider auswählen und ich nach jedem Kleid welches ich anprobiere, sagen soll ob es besser oder schlechter als das vorherige ist. Die Auswahl fiel mir etwas schwer, da ich mir selbst ein Budget gesetzt hatte und auch fast alle Kleider aus Spitze waren. Also nicht unbedingt das, was ich gesucht hatte. Um auch zu sehen, wie verschiedene Schnitte an mir aussehen, wählte ich unterschiedliche Modelle.

Meine erste Brautkleidanprobe

Es ging los.
Das erste Kleid war zwar nicht „mein Kleid“ aber das Gefühl zum ersten Mal ein Brautkleid anzuhaben war etwas magisches. Ab da weiß man, dass es wirklich ernst wird – im positiven Sinne. Schnell merkte ich welche Schnitte und Details ich nicht wollte. Es war nichts dabei, was mich umhaute, dann brachte meine Schwester ein Kleid welches etwas über meinem Budget lag aber meinen Wünschen näher kam.
In diesem Kleid fühlte ich mich wohl und probierte auch einen Schleier dazu und ging auf dem Laufsteg hin und her. Meine Familie war begeistert. Ich hingegen war irritiert. Das Kleid war schön, es gefiel mir aber es machte nicht Klick.
Was tun? Ich beschloss mir das Modell aufschreiben zu lassen und nochmal woanders zu schauen.

Natürlich hatte ich auch gewisse Vorstellungen: schulterfrei, keine Spitze, ein Glitzergürtel, obenrum schlicht unten etwas ausgestellt.

Meine Vorstellungen vs. die Realität

Zurück in Hamburg wollte ich den zweiten Versuch, das richtige Kleid zu finden, bei Laue Festmoden in Tellingstedt wagen. Da meine Trauzeugin mit ihrem Baby nicht mit konnte, fragte ich eine meiner Brautjungfern ob sie mich begleiten möchte. Ich wollte aber gerne noch jemanden mit haben, die bereits die anderen Kleider an mir gesehen hat, meinen Geschmack kennt und mir auch genau sagt, wenn etwas nicht ganz passt. Da sich meine Nichte schon in Freiburg als hilfreiche Begleitung herausstellte, ließ ich ihr spontan ein Zugticket zukommen und wir nutzten ihre Schulferien für Norddeutschlands größtes Brautmodengeschäft.

Laue Festmoden in Tellingstedt

Viele meiner Bekannten fanden bei Laue – unter über 2000 Kleidern – das richtige Kleid für sich. Also war auch ich sehr zuversichtlich hier fündig zu werden. Bei Laue kann man keine Termine vereinbaren und an Samstagen tummeln sich über 200 Bräute in dem Laden. Daher fuhren wir unter der Woche hin. Als wir ankamen, sahen wir eine große Anlage im Nirgendwo. Weit und breit nichts. Dafür gab es eine Etage für Abendkleider, eine für Herrenausstattung und eine für die Brautmode – unser Ziel.

An diesem Tag war es zum Glück sehr leer. Mir wurde eine nette und geduldige Beraterin zur Seite gestellt. Dann begann ein sehr langer Tag. Nach unendlich vielen Kleidern, hatte ich an jedem was auszusetzen und bei manchen konnte ich nicht mal sagen was genau. Viele schöne Kleider später wusste ich nur, dass meins noch nicht dabei war. Meine Beraterin erklärte mir, dass durch die ganzen TV-Shows uns Bräuten ein falsches Bild gemacht wird und es sehr oft vorkommt, dass man sich für ein Kleid entscheidet ohne Tränen und Gefühlsausbrüche. Ich war erschöpft und wir machten nach 4 Stunden eine Pause. Die Zeit nutzten wir um etwas zu essen und uns zu besprechen. Es konnte doch nicht sein, dass bei einer so großen Auswahl kein Kleid dabei war, dass mich zu 100% überzeugte. Ich hatte mir so gewünscht hier und heute das richtige Kleid zu finden.

Wunderschön aber nicht ich!

Nachdem wir uns gestärkt hatten, probierte ich nochmal die Favoriten meiner Begleiterinnen an. Ich selbst hatte auch einen aber einfach nicht diesen berühmten Moment, wo ich „i say yes to the dress“ schluchzen würde. Nach ca. 30 Kleidern war ich müde und unendlich deprimiert. Ich hatte ein Lieblingskleid auserkoren und ließ es mir für 3 Tage reservieren um nochmal eine Nacht darüber schlafen zu können. In meinen Gedanken verglich ich dieses Kleid mit dem Favoriten aus Freiburg. Wir fuhren nach Hause ohne Kleid ohne Entscheidung. Ich war der Verzweiflung nah nie das richtige Kleid zu finden.

Die Favoriten

Vielleicht hatte meine Beraterin recht und es gibt keinen magischen Moment?!

Komplett verunsichert hatte ich eine sehr unruhige Nacht und bei der Überlegung ob ich das reservierte Kleid nun kaufen solle bekam ich nur noch mehr Bauchschmerzen. Ich musste was tun. Bevor ich nicht endlich ein Kleid habe, werde ich keine ruhige Nacht mehr haben. Meine Nichte war nur noch 2 Tage da und meine Brautjungfer musste arbeiten. Trotzdem vereinbarte ich ganz spontan am nächsten Morgen einen Termin für nachmittags bei Feminin in Hamburg.

Fenminin – Hamburg

Ich wählte Feminin nicht nur aufgrund guter Rezessionen. Ich hatte im Vorfeld recherchiert und wusste, dass sie auch das Kleid aus Freiburg führten – somit meine Chance es nochmal vergleichen zu können.
Bei Feminin angekommen, fielen mir sofort die wunderschönen Kleider auf sehr engem Raum auf. Ich schilderte meiner Beraterin meine bisherigen Erfahrungen, Vorstellungen und meine Ängste. Da ich in jedem Laden Bilder machen durfte, konnte ich ihr meine zwei Favoriten zeigen.
Sie nickte und führte mich durch verwinkelte Räume in einen weiteren Raum mit traumhaften Kleidern. Da ich etwas zu spät kam, hatte ich das Glück, dass gerade eine Lieferung mit neuen Kleidern reinkam. Sie wählte gezielt 5-6 Kleider aus, 3 davon wollte ich gerne probieren.
Ich verschwand in der Umkleidekabine und probierte Kleid Nummer 1. Man fühlt sich natürlich besonders, wenn man weiß, man ist die erste die dieses Kleid probieren darf. Es war ein sehr zartes und leichtes Kleid aus fliessendem Stoff, wunderschön aber nicht meins. Kleid Nummer 2 war ein Prinzessinnenkleid mit Korsage und viel Glitzer. Für mich etwas zu viel Cinderella und zu wenig ich. In beiden Kleidern fühlte ich mich aber sehr wohl. Als ich das dritte Kleid anzog, wollte ich zum ersten Mal gerne die Ärmel mit anziehen. Bei über 40 Kleidern wollte ich nie! Ärmel haben. Jedes Mal klemmten wir jeden Stoff der über die Schultern ging weg, dabei ließ ich mir immer versichern, dass man diese entfernen lassen kann.

Da stand ich nun mit einem Kribbeln im Bauch, in einem Kleid mit Carmen Ausschnitt aus Spitze, einer leicht ausgestellten A-Linie mit Schleppe und einem zwar sehr zarten aber vorhandenen Glitzergürtel. Ich strahlte – von innen und außen. Meine Nichte blickte mich auch zufrieden an. Ich fühlte, dass es mein Kleid sein könnte aber um auf Nummer sicher zu gehen und keine Option auszulassen, worüber ich mich vielleicht im Nachhinein ärgern könnte, zog ich noch das besagte Kleid aus Freiburg an. Es war nach wie vor wunderschön und ich wusste, dass es auch meiner Familie gefiel. Trotzdem zog ich es schnell wieder aus und das vorherige an. Ich bekam noch einen Schleier mit Glitzerrand aufgesetzt und konnte mein Glück kaum fassen. Ich drehte mich, genoss es mich im Spiegel anzuschauen und hatte echte Glückstränen in den Augen. Ohne große Hoffnung hatte ich nach einer Stunde mein Kleid gefunden. Wir durften ein paar Fotos und sogar ein kleines Video machen.

Dennoch kaufte ich das Kleid nicht sofort. Ich wollte den Segen meiner Mutter und die Meinung meiner Trauzeugin abwarten. Für meine Beraterin war das gar kein Problem, sie sagte zu mir: „Wenn du dich verliebt hast, dann wirst du wieder kommen und wenn nicht ist es nicht dein Kleid“.

Mit der Zustimmung meiner Lieben fuhr ich am nächsten Morgen direkt zu Feminin, stolzierte rein und kaufte es. Ich hatte mich in dieses Kleid verliebt und konnte an nichts anderes mehr denken. Ich war glücklich.

Der magische Moment

Fazit: „Oft haben wir Vorstellungen, die nicht unbedingt erfüllt werden. Das ist bei einer Hochzeit öfters der Fall, aber am Ende werden wir erkennen, dass vieles schöner ist als wir uns es hätten erträumen können.“

Habe ich mich richtig entschieden?

In den Monaten nach dem Kleiderkauf sah ich natürlich noch Unmengen an schönen Kleidern im TV, in Zeitschriften oder im Internet bei anderen Bräuten. Oft kommt man dann als Braut ins Schwanken und fragt sich: „Ist es auch das richtige Kleid?“

Liebe Bräute, bitte lasst euch nicht von diesen Bildern beeinflussen. Natürlich sehen die anderen Bräute wunderschön aus und strahlen in ihren Kleidern, genauso wie ihr das auch werdet. Ihr solltet nie vergessen warum ihr euch in euer Kleid verliebt und dafür entschieden habt. Nur weil draußen viele gut aussehende Männer rumlaufen, wollt ihr ja auch nicht plötzlich euren Partner wechseln. Denn euer Kleid passt zu euch und konnte euer Herz berühren. Ruft euch diesen Moment, als ihr „Ja“ zu eurem Kleid gesagt habt in Erinnerung. Dann werden sich eure Zweifel hoffentlich in Luft auflösen.

Das richtige Kleid

    2 Kommentare

  1. Daria 01/03/17 at 12:23 Antworten

    Dein Kleid ist wirklich wunderschön und du hast mit Sicherheit die richtige Wahl getroffen! Ich hatte das Glück, eine junge Designerin aus Berlin zu finden, zu deren Showroom ich gefahren bin. Mittlerweile wird sie auch immer bekannter und expandiert. Ich hatte es zwar mir „normalen“ Brautmode-Geschäften versucht aber ich kam mir dabei zu sehr vor, als hätte ich nur ein Preisschild mit meinem Budget auf der Stirn kleben und sonst nichts. Und in Berlin war die Beratung und Atmosphäre fast schon freundschaftlich, entspannt und ganz privat. Das ist für mich auch ganz wichtig, denn man muss sich wohl fühlen. Letztendlich habe ich ein maßgeschneidertes Kleid für rund 400 Euro bekommen, mit 2x Fahrtkosten (ich komme aus Dresden), komme ich auf max. 500 Euro. Und die Fahrt hat sich definitiv gelohnt! Mir wurde von allen Seiten gesagt, dass das Kleid wie für mich entworfen ist und perfekt zu mir passt. 🙂

    • alltagslieben 10/03/17 at 16:58 Antworten

      Liebe Daria,
      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Es freut mich, dass du dein perfektes Kleid sogar auf den Leib geschneidert bekommen hast. Manchmal muss man wirklich Glück haben, denn leider gibt es viel zu wenig Leute die nicht bei dem Wort „Hochzeit“ ein Preisschild sehen.
      Du bist ein tolles Beispiel, dass man sein Kleid finden kann ohne ein Vermögen auszugeben 🙂

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